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Veranstaltungen
24. Mai 2011, Dienstag, 18.00 Uhr Baumpflanzung 100 Jahre nach dem "Ersten Spatenstich" zum Bau der Friedenskirche werden wir im Pfarrgarten einen Baum pflanzen
12. Juni 2011, Pfingstsonntag 18.00 Uhr Musik im Pfarrgarten Trio Contraste + Gabriel Bokor (Trompete)
23. Juli 2011, Samstag 18.00 Uhr Hundert Jahre Grundsteinlegung Wir gedenken der Grundstein-legung am 23. Juli 1911. Zunächst versammeln wir uns um den Grundstein und feiern anschließend im Kirchraum einen Gottesdienst. Danach gibt es einen Umtrunk im Pfarrgarten.
14. August 2011, Sonntag 17.00 Uhr Klavierkonzert Andreea Dumitrescu
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Aus der Chronik der Friedenskirche
Am 6. Oktober 2012 wird die Friedenskirche 100 Jahre alt. Die zwei Jahre bis dahin werden schnell vergehen. Deshalb beginnen wir schon heute mit einer kleinen Reihe, die wichtige und weniger wichtige Ereignisse aus der Chronik zitiert. Es geht also nicht um eine möglichst lückenlose Aufzählung der Höhepunkte in der Geschichte der Friedenskirche – das wird einem Jubiläumsband vorbehalten sein –, sondern eher um Schnappschüsse, die zugleich auch Stimmungsbilder aus den so ereignisreichen Etappen deutscher Geschichte vermitteln sollen. Der größte Teil der Chronik ist von Pfarrer Lehmann verfasst worden. Er hat die Zeit von 1911 bis zu seinem Amtsantritt am 1.4.1950 anhand alter Unterlagen nachgetragen und dann die Jahre bis zu seinem Ausscheiden am 31.1.1984 begleitend dokumentiert. Pfarrer Arras hat die Chronik danach in gleichem Sinn weitergeführt. In Anbetracht des beschränkten Platzes und in der Annahme, dass vielen unter uns die letzten 15 Jahre Friedenskirche noch einigermaßen geläufig sind, werden neuere und neueste Ereignisse keine Erwähnung finden. Offensichtliche orthographische bzw. grammatikalische Fehler wurden stillschweigend verbessert. Da es sich um eine „willkürliche“ Zusammenstellung von Chronikauszügen handelt, habe ich mir der besseren Lesbarkeit wegen erlaubt, hier und da verbindende Wörter einzufügen. Sie sind nicht weiter gekennzeichnet. W. Sanden |
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25. September 2011, Sonntag 10.30 Uhr Eine MEDAILLE zum 100-jährigen Jubiläum der Friedenskirche. Hans Möller
30 September 2011, Freitag 19.30 Uhr Lautenconsort Lautenmusik
21. Oktober 2011, Freitag 19.30 Uhr Südamerikanische Klänge Trio Contraste
28. Oktober 2011, Freitag 19.30 Uhr Autorenlesung und Rezitation mit Wolfgang Sanden, Dieter Stiewi und Martin Baltrusch. Saxophon: Ingolf Griebsch.
26. Dezember 2011, Montag 14.00-18.00 Uhr Krippenausstellung
26.-30. Dezember 2011 18.00-19.00 Uhr Krippensingen
20. Januar 2012, Freitag 19.30 Uhr Konzert Streichquintett
02. März, Freitag 19.30 Uhr Vortrag Hans-Georg Ruppel - Stadt-archivar a. D. Offenbach um 1912
04. März, Sonntag 19.30 Uhr Konzert Ovidiu Cosma (Tenor) Sorin Petrescu (Piano)
23. März, Freitag 19.30 Uhr Vortrag Christina Uslular-Thiele (Kunsthistorikerin) Kirchenbau in Hessen-Darmstadt - Baugeschichte der Pützerkirchen
11. Mai 2012, Freitag 19.30 Uhr Vortrag Dr. Walter Fleischmann-Bisten (Evang. Bund, Bensheim) "Die Evangelische Kirche in Hessen-Darmstadt vor Beginn des Ersten Weltkriegs bis zum Ende der Weimarer Republik"
27. Mai 2012, Sonntag Pfingsten 09.30 Uhr Gottesdienst mit Hl. Abendmahl Vorgetragen wird die Predigt von Pfarrer Palmer vom 6. Oktober 1912 zur Einweihung der Kirche; anschließend Präsentation des Jubiläumsweines.
01. Juni 2012, Freitag 19.30 Uhr Vortrag Michael Brück (Rechtsanwalt und Notar, Theologe) Die Bekennende Kirche - Die Friedenskirche in Offenbach zur Zeit der Naziherrschaft Präsentation der Festschrift
09. Juni 2012, Samstag 14.00 Uhr Gemeinde- und Kindergartenfest
24. August 2012, Freitag 19.30 Uhr Vortrag Kirchenpräsident Dr. Volker Jung (Darmstadt) Kirche und Kirchengemeinde der Zukunft
22. September 2012, Samstag 20.00 Uhr Geistliche Abendmusik Hessische Kantorei Ltg. Prof. Christa Reich
07. Oktober 2012, Sonntag 09.30 Uhr Festgottesdienst Predigt: Bischof Ryszard Bogusz, Breslau
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Teil 1: Vorgeschichte
Schon seit dem Jahre 1904 erkannte man die Notwendigkeit, dass die ständig steigende Bevölkerungszahl in Offenbach eine ausgedehntere kirchliche Versorgung notwendig machte. Es gab nur 2 evang. Kirchen in der Stadt: die Schlosskirche und die Stadtkirche. Man hatte schon 1899 in der Waldstraße Land angekauft zum Bau der späteren Lutherkirche und erwarb nun Grund und Boden in der Geleitsstr. für die neuzubauende Friedenskirche. Inzwischen bot von 1901-1904 die alt-katholische Gemeinde, und von 1904-1910 die deutsch-katholische Gemeinde (jetzt freireligiöse Gemeinde) am Schillerplatz, durch ihr Entgegenkommen und ihre Erlaubnis der Mitbenutzung, Ersatz für die fehlenden Gotteshäuser. Gleichfalls im Jahre 1904 wurde ein Kirchenbauverein gegründet, der den Bau der beiden Kirchen ermöglichen und fördern sollte, und der sich durch Sammlungen, Kollekten und Veranstaltungen um die Finanzierung bemühte. 1910 wurde die geistliche Betreuung der evang. Christen in Offenbach dadurch erneut schwieriger, dass die Erbauungshalle der deutsch-katholischen Gemeinde am Schiller-Platz nicht mehr zur Mitbenutzung zur Verfügung stand. So beschloss der Kirchenvorstand den Bau von 2 Kirchen, die nacheinander erstellt werden sollten. Die Kirchen-Gemeinde-Vertretung gab ihre Zustimmung und bewilligte die Mittel. Zusammen mit den Geldern, die der Kirchen-Bauverein aufgebracht hatte, standen für jede Kirche 200.000.-- bis 230.000.-- Mk zur Verfügung. Diese Summe wurde nicht überschritten. Begonnen wurde mit dem Bau der Friedenskirche, ein Jahr später folgte der Bau der Lutherkirche. Es war vorgesehen, ein echtes Gemeinde-Zentrum zu bauen, das neben den eigentlichen Kirchenräumen auch Gemeindesäle enthielt und Wohnungen für Pfarrer, Gemeindeschwester und Kirchendiener. Man war zudem um die bauliche Anpassung der Friedenskirche an die Umgebung bemüht. Der Kirchenraum wurde für den ersten Stock vorgesehen. Die kirchlichen Behörden genehmigten die Pläne, und so konnte der Bau am 24.5.1911 beginnen.
Teil 2: Gottesdienst und Gemeindeleben (1)
1949 wurde der erste Kirchenvorstand nach dem Krieg gewählt. Noch im Jahr 1950 schuf Pfr. Lehmann den Männerkreis und führte einmal monatlich einen Männerabend ein. Es gehörten Teilnehmer aus allen Berufen dazu, ihre Zahl wechselte [...]. Der Frauenkreis bestand von Anfang an aus älteren Teilnehmerinnen, das bestimmte das Ausmaß seiner Wirksamkeit. Aber es wird auch hier einmal im Monat ernsthaft gearbeitet. Der Pfarrer stellt im allseitigen Einverständnis ein Thema, das unter seiner Führung gemeinsam erarbeitet wird. Ein Studentenkreis hat lange Jahre (von 1958-1965) bestanden, mit Teilnehmern, die aus der Jugend der Gemeinde hervorgegangen sind und auch während des Semesters erreichbar waren. Dann wurde die Fluktuation zu groß, und die Zusammenkünfte wurden eingestellt. Es besteht aber die Absicht, diesen Kreis wieder aufleben zu lassen, da ernstliche Nachfrage besteht, und da es sich gezeigt hat, wie fruchtbar für die Studenten die Verbindung mit ihrer Heimatgemeinde ist und wie verpflichtend, und mit welcher Anhänglichkeit sie sie gepflegt haben. Daneben hält der Pfarrer meist 14-tägig Gemeindeabende mit Bibelarbeit. Die Themen ergeben sich aus der Situation, aus dem Gottesdienst oder aus dem Text der täglichen Bibellese und werden fortlaufend oder auch an Einzelabenden behandelt. Bald ging Pfarrer Lehmann mit seiner Jugend neue Wege, die ihm zunächst Kritik innerhalb der Gemeinde eintrugen: Er führte Tanzkurse unter fachgerechter Führung, die aber auch aus den Kreisen stammte, für die Jugendlichen ein, die in den unteren Räumen der Kirche stattfanden. Man legte dem Pfarrer nahe, den Tanz in andere Räume außerhalb der Kirche zu verlegen, er aber ging nicht darauf ein, weil er auch diese gesellige Form des Beisammenseins als Dienst an der Jugend ansah, der in den Rahmen der Kirche gehöre, wie alles, was er mit der Jugend unternahm. Die Tanzfeste, die sich daran schlossen, und zu denen die Angehörigen eingeladen wurden, fanden in gemieteten Sälen statt, da sie für die Räume der Kirche zu umfangreich wurden. Aber viele sehr vergnügte Karnevalsfeste, in denen alles kostümiert war, feierte die Pfarr-Familie mit ihrer Jugend im großen Saal der Kirche. Seit 1962 haben diese Tanzstunden aufgehört, weil die Disziplin nachließ, und diese Veranstaltungen dadurch eine rechte Mühe für die Verantwortlichen wurden. Dafür wurden die Jugendfreizeiten weiter ausgebaut und erfreuten sich großer Beliebtheit und reger Beteiligung. Auf jeder dieser Freizeiten lernten die Jugendlichen ein Stück von der Welt kennen. Sie wurden unterwiesen in der Geschichte und den Besonderheiten der Gegend und des Ortes. Sie haben viele schöne Wanderungen gemacht und hatten Gelegenheit zum Schwimmen und zum Spiel. Aber nie wurde der eigentliche Sinn dieser Reisen vergessen, und ernste biblische Arbeit stand immer im Vordergrund. 1967: Ab 25.12. bis zum Jahresende fand wieder das allmählich immer beliebtere „Krippensingen“ statt, das jeden Abend ab 18 Uhr in ganz lockerer Form die Gemeindeglieder und Gäste, darunter viele Kinder, in der Kirche bei brennendem Lichterbaum und erleuchteter Krippe versammelt. 1968: Am 28.4. wurden in der Friedenskirche 20 Mädchen und 27 Jungen konfirmiert und empfingen am Tag darauf das Heilige Abendmahl. Im Dezember führten Jugendliche der Gemeinde das Lustspiel „Tumult in Hintertüpfelsbach“ auf und fanden viel Beifall. Der Chor war weiterhin in den Gottesdiensten tätig. Besonders die Adventszeit wurde in gewohnter Weise für die Gemeinde schön und festlich gestaltet. Der Chor sang an jedem Sonntag. Als Höhepunkt des Chorsingens in diesem Jahr ist zu nennen die Bach Kantate Nr. 6 „Bleibe bei uns“, die am ersten November aufgeführt wurde. Alle Gruppen der Gemeinde hatten vorweihnachtliche Feiern, der Frauen- und der Männerkreis, der Kindergarten und sämtliche Jugendgruppen. Zum Fest selbst sang der Chor in allen Gottesdiensten. Nach dem Fest wurde wieder das Krippensingen, das rege besucht wird, durchgeführt.
1970 begann wie immer mit einem Neujahrsgottesdienst, zu dem der Chor sang. Der Epiphanien-Gottesdienst am 6. Jan. abends führte die Gemeinde noch einmal unter dem brennenden Weihnachtsbaum und an der Krippe zusammen. – Es sollte wohl einmal hier bemerkt werden, dass die Friedenskirche eine der ganz wenigen Kirchen ist, die noch echte Kerzen am Baum hat und nicht zur elektrischen Beleuchtung übergegangen ist. Das bedeutet für den Küster eine sehr große Belastung, denn in keiner Kirche brennt der Baum so oft wie bei uns: zu jedem Gottesdienst und zum täglichen Krippensingen in der Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr müssen neue Kerzen aufgesteckt und angezündet werden! Wir sind froh darüber, dass auch der neue Küster, Herr Pohl, diese Mehrarbeit ohne jeden Widerspruch auf sich nimmt und freuen uns alle an dem schönen, lebendigen Baum. Am 11. März gründete sich in der Friedenskirche ein evang.-kath. Arbeitskreis, dem je ein Pfarrer beider Konfessionen angehört und der sich im übrigen aus christlich bewussten Laien zusammensetzt. Es gehören je 10 Teilnehmer beider Konfessionen dazu. Die Zahl hat sich im Laufe des Jahres nur geringfügig verändert und soll zunächst bis auf Ausnahmen auch nicht vergrößert werden. Als eine wesentliche Aufgabe dieses Kreises wurde die Sichtbarmachung tatsächlicher Unterschiede vereinbart. Es haben dann im Laufe des Jahres monatl. eine Arbeitsgemeinschaft stattgefunden. Ferner wurden 2 gemeinsam vorbereitete öffentliche Betstunden gehalten: am 16.5. in der Schlosskirche unter Mitwirkung des Chores der Friedenskirche und am 31.10. in St. Peter zu einer gemeinsamen Gedächtnisstunde der Reformation und des Festes Aller Heiligen. Der Höhepunkt des Jahres war für die Friedenskirchen-Gemeinde die Einweihung der neuen Kirchenfenster am 1. Advent-Sonntag im Gottesdienst. Die bisherigen Fenster waren nur wenig getönt, und es war Pfarrer Lehmann schon lange ein Anliegen, dem nüchternen Kirchenraum durch farbige, eine Aussage machende Fenster Weihe und Schönheit zu geben. Der Vorstand hatte die Anschaffung erst im August beschlossen. Herstellung und Lieferung erfolgten zügig, und der Einbau geschah in der überaus kurzen Zeit von Montag bis Freitag ohne eine gottesdienstliche Handlung zu stören. Es wurde Antik-Glas verwendet, da gemalte Fenster, abgesehen von dem sehr viel höheren Preis, bei den ungünstigen Lichtverhältnissen den Innenraum zu sehr verdunkelt hätten. In den Motiven der neuen Fenster wurde wieder ein Werk Rudolf Kochs lebendig: das kleine 1933 erschienene Buch „das Leben Jesu“.
Teil 3: Gottesdienst und Gemeindeleben (2)
1971: Auf einer Vorstandssitzung am 29.4. griff Pfarrer Lehmann auf den Gemeinde-Pflege-Bund der Friedens-gemeinde zurück, der 1932 gegründet wurde, eine Satzung hat, und der kaum in Erscheinung getreten ist. Es wurde beschlossen, diesen Bund neu zu aktivieren, und die Satzung neu zu erstellen. Am 25.6. fand eine Mitgliederversammlung des Gemeindepflege-Bundes statt. Herr Dr. Goebel legte einen neuen Satzungs-Entwurf vor, und er schlug vor, den Bund als Gemeinnützigen Verein in das Vereinsregister eintragen zu lassen. Die Versammlung begrüßte das Vorhaben und ist gewillt, sich intensiver an den Aufgaben der Gemeinde zu beteiligen. Der Bund hat ca. 56 Mitglieder. Am 25.4. wurden in der Friedenskirche 18 Jungen und 16 Mädchen konfirmiert und nahmen am Tag darauf das Heilige Abendmahl.
1973 wurde gemäß K.G.W.O. der Kirchenvorstand neu gewählt, nachdem die Amtszeit des bisherigen Vorstands nach 6 jähriger Tätigkeit beendet ist. Bereits am 10.10.72 hatte der K.V. in einer Sitzung den Wahlausschuss gebildet, dem 7 Herren und Damen angehörten. Dieser Ausschuss legte am 10.1.73 in einer Kirchenvorstandssitzung den Wahlvorschlag vor. Es waren 30 Kandidaten aufgestellt, von denen 16 gewählt werden mussten. Die Photos der Anwärter wurden ab 11.3. bis zur Wahl im Treppenhaus der Kirche ausgestellt, so daß jedes Gemeindeglied die Möglichkeit hatte, die Bewerber kennen zu lernen, und sich zu entscheiden. Es wurde gleichzeitig beschlossen, dass die Friedens-Gemeinde die aufwendige „Wahlpropaganda“, die von der Kirchenverwaltung in Darmstadt angeboten wurde, ablehnt. [...] Die Wahl fand am 20.5. in der Zeit von 10.30 - 18 Uhr statt. Anschließend nahm der K.V. das Ergebnis der Wahl entgegen und bestätigte es. Das Wahlergebnis: Zahl der Gemeinde-Mitglieder = 5200, Zahl der Stimmberechtigten = 3615, an der Wahl beteiligten sich 555 (15,35 %), Zahl der zu wählenden Vorsteher =16. 9 Angehörige des bisherigen K.V. gehören dem neu gewählten Vorstand an, der sich im übrigen erheblich verjüngt hat. Die Offenbach-Post berichtete über geringes Interesse an den Wahlen in den Kirchen. Die Wahlbeteiligung habe z. T. nur 5,9% betragen. 1976: Ich beginne meinen Bericht über 1976 zunächst noch mit drei Nachträgen für das Jahr 1975: Erstens möchte ich festhalten, daß nun schon zum dritten mal auf Veranlassung von Fräulein Kress nach der Christvesper allen anwesenden Kindern weiße Kerzen mit Tropfenfängern, die die Jugend gearbeitet hat, mitgegeben werden, nachdem Glieder der Jugend diese Kerzen am brennenden Weihnachtsbaum angezündet haben. Wir haben nun schon Anfragen von Erwachsenen, ob nicht auch Erwachsene solche Kerzen bekommen können. Es ist so wichtig, daß die Kirche auch in diesen scheinbaren Äußerlichkeiten alles tut, daß die Menschen in ihr zu Hause sind. 1977: Das Krippensingen war wieder allabendlich mit ca. 150 Gemeindegliedern gut besucht, so daß wir vor haben, es auch im Neuen Jahr fortzusetzen. 1981: Am 21.2. fand die Einzelprüfung der diesjährigen Konfirmanden vor dem Kirchenvorstand statt – bei den höheren Schülern zum Teil mit erschreckendem Ergebnis. Rückfragen über das, was im Religionsunterricht getrieben wird, zeigten die Ursache. 1985: Am 8. September feiern wir nach dem Gemeindegottesdienst ein Kindergottesdienstfest. Zum Mittagessen sitzen 75 Personen an Tischen und lassen sich Spaghetti schmecken. Singen, Spielen, Wettspiele, Preise und zum Abschluß das Kaffeetrinken machen viel Freude. Der Kindergottesdienst hat im letzten Jahr eine Veränderung erfahren. Ich traf im vorigen Jahr die Ordnung an, daß um 11 Uhr am Sonntag Kindergottesdienst gehalten wurde. Diese früher einmal bewährte Zeit war nicht mehr zu halten. Es kamen noch 2-4 Kinder. Die Mobilität und die Notwendigkeit, mit Familie am Sonntag etwas zu unternehmen, hat in der Großstadt dazu geführt, daß ein gesonderter Kindergottes-dienst um 11 Uhr nicht mehr durchzuhalten ist. Wir versuchen es, aufgrund früherer Erfahrung mit einer Parallelschaltung zum Gemeindegottesdienst, damit die Familie mit Kindern in die Kirche kommen kann. Die Kinder gehen beim Lied vor der Predigt in den Gemeindehausraum in zwei Gruppen und erhalten dort eine Katechese nach dem Textplan der EKD für den Kindergottesdienst. [...] Das Kindergottesdienstfest soll neben aller unmittelbaren Freude dazu beitragen, daß mehr Kinder und Eltern angesprochen werden. Das Krippensingen zwischen Weihnachten und Silvester war wieder gut besucht. Erfreulich war die große Zahl „alter Friedenskirchler“, die in diesen Tagen zu Besuch sind und dann zum Krippensingen kommen. 1987: Am 1. Mai führt der diesjährige Chorausflug in den Spessart nach Heimbuchental und Mespelbrunn. Am Pfingstmontag, dem 8. Juni, findet zum ersten Mal eine gemeinsame Fahrt von Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat St. Peter statt. Der 300. Geburtstag Balthasar Neumanns gibt Anlaß zu einer Studienfahrt zum fränkischen Barock Neumanns in Holzkirchen und Würzburg. Am 27. Juni fahren einige Mitglieder des Kirchenvorstands und einige interessierte Gemeindeglieder nach Lich in die Orgelbauwerkstatt Förster und Nicolaus, um den Fortschritt am Bau unserer neuen Orgel wahrzunehmen. Inzwischen ist die Renovierung der Kirche abgeschlossen und der Orgelbau geht seinem Ende zu. Am Reformationstag, dem 31. Okt. 1987, können wir mit einer geistlichen Abendmusik die neue Orgel in Dienst nehmen. Für die Orgel wurden nahezu 180.000,- DM gespendet. [...] Herr Wolfgang Wildmann hat zum Orgelbau einen Videofilm, teilweise mit Zeittrick, hergestellt. Die geistliche Abendmusik wurde gestaltet von Hans-Wolfram Hooge an der Orgel (Passacaglia u. Fuge c-moll (BWV 582) von J.S. Bach / Fanfare D-Dur von Jean-Jaques Lennon). Das Hattersheimer Kammerorchester unter der Leitung von Michael Adam und der Friedenskirchenchor unter der Leitung von Karl-Heinz Fey bringen die beiden Bach-Kantaten Nr. 79: „Gott der Herr ist Sonn und Schild“ und Nr. 100 „Was Gott tut, das ist wohlgetan“ zur Aufführung. 1988: Am 12. Juni führte ein Wanderausflug den Chor nach Eberbach am Neckar zu einer Wanderung über den Katzenbuckel durch die Wolfsschlucht nach Zwingenberg am Neckar. Am 10. Juli bieten wir einen Familienwandertag nach dem Gottesdienst zum Scheerwald an. Dort wird gemeinsam gegrillt. 1994: Am 9. Juli sind die Kirchenvorstandsmitglieder mit Angehörigen und die Mitarbeiter eingeladen zu einer Fahrt zur Christoffel-Blindenmission nach Bensheim. 1995: Inzwischen ist der Schriftteppich im Entstehen. Zunächst mußten wir noch das rechte Fenster in der Altarnische erneuern, um besseres Licht zu haben. Prof . Kg. Hoefer hat einen Entwurf zu dem Wort aus Offb. 22, 17b gefertigt, der uns sehr zusagt. Neben dem Kruzifix wird dann die Botschaft des ewigen Lebens laut, ohne die das Kreuz ja das Ende bliebe. Es ist wesentlich, daß wir nun wieder den Bezug zum Auferstandenen im Gottesdienstraum haben, der bis zur Kriegszerstörung durch das Bild des Auferstandenen von Cissarz (1913) über dem Altar gegeben war. – Frau Ella Haas, aus Langen, wird den Teppich fertigen.
Teil 4: Vom Spatenstich zur Einweihung
Am Tage vor dem Himmelfahrtsfest, am 24. Mai 1911, wurde die eigentliche Bauarbeit mit dem Aufschlagen der Gerüste begonnen. Das Wetter war dieser Arbeit in seltenem Maße günstig. Es konnte flott gearbeitet werden, zumal sich speziell bei der Fundamentierung technische Schwierigkeiten nicht ergaben. So konnte die Feier der Grundsteinlegung auf den 23. Juli, vormittags 11¼ Uhr, festgesetzt werden. Ein heißer Tag, wohl der heißeste des ganzen ungewöhnlich heißen und trockenen Jahres! Die evangelische Geistlichkeit war mit den Vertretern der kirchlichen und bürgerlichen Behörden um den mächtigen Grundstein versammelt. Es war eine eindrucksvolle Veranstaltung. Die Festpredigt hielt Pfarrer Palmer, der sich um Planung und Durchführung des Baus große Verdienste erworben hat, und der dann erster Pfarrer der neuen Kirche wurde. Die von ihm aufgeworfene Frage, woher man den Mut nehme, in einer Zeit, in der die Kirche so überaus angefochten sei, ein neues Gotteshaus zu bauen, beantwortete er mit dem Hinweis auf den Namen, den die Kirche tragen würde: „Friedenskirche“. Er sprach von der Sehnsucht der Menschen nach Friede und Ruhe der Seele, und er führte aus, daß die Kirche niemals entbehrlich werden könnte, solange sie eine Friedensbotschaft auszurichten habe. Dem Grundstein wurde eine Kapsel eingefügt, die enthielt: eine von Rudolf Koch geschriebene Urkunde, je ein Exemplar der in Offenbach erscheinenden Tageszeitungen, eine Münze, das Programm der Feier, das Original der Festpredigt. Die Urkunde lautete: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes! Heute am 6. Sonntag nach Trinitatis, den 23. Juli, 1911 Jahre nach der Geburt unseres Herrn und Heilandes / im 24. Jahre der Regierung des deutschen Kaisers Wilhelm II., und im 20. Jahre der Regierung des Großherzogs Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein / haben wir den Grundstein zur Friedenskirche in Offenbach a. M. gelegt. Nachdem unsere Stadt sich so ausgedehnt hat / daß die beiden vorhandenen Kirchen für den Dienst an ihren evangelischen Gemeindegliedern nicht mehr ausreichen / soll die neuerstehende Kirche den erweiterten Bedürfnissen Rechnung tragen und für das kirchliche Gemeindeleben vorwiegend des südwestlichen Stadtteils den Mittelpunkt bilden. Sie wird gebaut von der vereinten evangelisch-protestantischen Kirchengemeinde Offenbach / M. nach den Plänen des Kirchenbaumeisters der hessischen Landeskirche / des Professors Friedrich Pützer zu Darmstadt. Die Leitung liegt in den Händen des hiesigen Architekten Eduard Walther. Mit den Bauarbeiten wurde am 24. Mai d. Js. begonnen. Gott fördere nun das Bauwerk und schütze alle / die daran arbeiten! Er lasse auf dem Grundstein eine Kirche erstehen / in der allewege die Botschaft des Friedens in Beweisung des Geistes und der Kraft verkündet, und der Gott alles Friedens angebetet wird im Geist und in der Wahrheit! Amen. Der Kirchenvorstand: Pfr. Dittmar / Pfr. Fuldat / Pfr. Hofmeyer / Pfr. Palmer / Pfr. Müller / Pfr. Matthäus / Pfr.-Ass. Page / San. Rat Dr. med. Bachfeld / v. Branroni, Major a. D. / Geibel, Schmiedemeister / Georgi, Ingenieur; Kämmerer, Färbereibesitzer / Keutzer, Bäckermeister / Landmann, Oberamtsrichter / Porth, Beigeordneter / Roosen, Prokurist / Roth, Straßenmeister / Schaub, Schulrat. Der Präsident des Großherzoglichen Oberkonsistoriums: D. Nebel / Der Superintendent der Provinz Starkenburg: D. Dr. Flöring / Der Dekan des Dekanats Offenbach: Wehsarg / Der Kreisrat des Kreises Offenbach: Lochmann / der Kirchenbaumeister Pützer / Der bauleitende Architekt: Walther. Zur Kirchenbauleitung berufen wurde der Architekt und o. Professor an der techn. Hochschule in Darmstadt Herr Friedrich Pützer. Die örtliche Bauleitung wurde dem hiesigen Architekten Herrn Eduard Walther übertragen, der bereits jahrelang der sachverständige Berater des Kirchenvorstandes in Bau-Angelegenheiten war. Dem Bau-Ausschuss gehörte u. a. Herr Pfarrer Palmer an, der durch seinen unermüdlichen Einsatz durch die Planung und den Beschluss des Bauvorhabens überhaupt so weit vorgetrieben hatte. Die Leitung der Innen-Ausmalung hatte Prof. Cissarz aus Stuttgart. Er hat sowohl die Zeichnungen ausgeführt, als auch die Farbgebung in allen Räumen der Kirche bestimmt. Auch das Altarbild, eine Stiftung der Gebrüder Klingspor, stammt von ihm.
Die drei Glocken, Stiftung der Familien Heyne aus der Glockengießerei Rincker in Sinn b. Herborn, hatten einen Durchmesser von 1,16m, 0,97m, und 0,77m, und waren auf den Dreiklang e - g - h gestimmt. Die größte trug die Inschrift: „Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönend Erz oder eine klingende Schelle.“ (1. Kor. 13,1). Die Zweitgrößte: „Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.“ (1. Joh. 5,4). Die kleinste Glocke: „Lasset uns festhalten am Bekenntnis der Hoffnung und nicht wanken, der ist treu, der sie verheißen hat.“ (Hebr. 10, 23). Am 6. Oktober 1912 wurde die Kirche dann eingeweiht. Auch der Großherzog nahm an der Feier teil. Die Weiherede hielt der Superintendent der Provinz Starkenburg Prälat D. Dr. Flöring. Im Mittelpunkt seiner Rede stand das Wort: „Lasset Euch versöhnen mit Gott.“ Er führte ferner aus: „Es ist eine in der Geschichte dieser Stadt hochbedeutende Stunde, die wir heute erleben; seit Jahrzehnten nicht, nein seit Jahrhunderten die erste neue evangelische Kirche, die ihre Weihe empfängt, obwohl längst die Zahl der Bewohner gewaltig zugenommen, obwohl Ausdehnung und Umfang dieser blühenden Stadt längst eine neue Stadt aus ihr gemacht haben.“ Die Festpredigt hielt Pfarrer Palmer, der seine und der Gemeinde große Dankbarkeit zum Ausdruck brachte. Vom Anfang bis zum Ende sei ein freundliches Gotteswalten um den Bau deutlich fühlbar gewesen. Man hätte es so sehr gespürt. Er legte seiner Predigt Joh. 14,27 zu Grunde: „Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch.“ Er sprach den Dank aus an alle, die mitgewirkt haben, diese Kirche zu erstellen und sagte in seinen Wünschen für das neue Gotteshaus: „Ach, dass auch an dieser Stätte Wort und Sakrament als eine lebendige Gabe zur Geltung käme, die allen Suchenden etwas Unmittelbares aus der Welt des Friedens in die Seele legt.“
1. Pfarrer der neuen Gemeinde wurde Pfarrer Palmer, 1. Organist war Rektor Doermer, 1. Kirchendiener wurde Diakon Arthur Blümel, der bis ins hohe Alter dem Kirchenvorstand angehörte. Sein Nachfolger Oskar Reimann diente Jahrzehnte treu dem Pfarrer und der Gemeinde.
Teil 5: Kirchenmusik und Chorgesang
1920 gründete Organist Rektor Doermer den Kirchenchor. Die Kirchenmusik und der Chorgesang waren schon Pfarrer Palmer ein besonderes Anliegen gewesen. Er hatte im Jahre 1905 bereits eine Chorschule in Offenbach gegründet, und in der Friedenskirche sang während seiner Amtszeit fast jeden Sonntag sein Chor, der zunächst nur aus Knaben bestand. Nach seinem Fortgang führte der Organist die musikalische Arbeit in der Kirche weiter fort. Der neugegründete Kirchenchor entwickelte sich so gut, dass er bald 100 Mitglieder hatte, und der Präsident der deutschen Kirchengesangvereine sprach dem Chor seine Anerkennung aus, als er ihn erstmalig hörte. Dagegen hat sich die Orgel nicht bewährt und nicht gehalten, was man von ihr erwartete. Sie hatte bald Fehler und Mängel und stellte den Organisten allmählich vor unüberwindliche Schwierigkeiten. 1926 wurde sie gründlich überholt und gab danach nicht mehr Anlass zu Klagen. 1934 musste der Organist, Rektor Doermer, aus dem Amt ausscheiden, da eine Regierungsverfügung das Doppel-Verdienen verbot und Anstellung eines nur in diesem Amt tätigen Organisten verlangte. Es wurde eingestellt Herr Philipp Reich, der spätere Kirchenmusik-Direktor bei der Hochschule für Kirchenmusik in Hessen und Nassau. Er brachte mit viel Elan und großem Können dem musikalischen Leben der Friedensgemeinde einen ungeheueren Aufschwung und war darüber hinaus einer der entscheidenden Männer der kirchenmusikalischen Erneuerung in Deutschland. 1937 konnte die Friedensgemeinde das 25-jähr. Bestehen ihrer Kirche feiern. Sie tat das in einem Festgottesdienst mit Heil. Abendmahl. Abends war eine Gemeindefeier, an der Pfarrer Palmer teilnahm und über die Entstehungsgeschichte der Kirche sprach. Dann wurde eine Kantate von Buxtehude gesungen mit Basssolo, Chor, Streichern und Orgel. Im Jahr 1966 schreibt Pfarrer Lehmann über die aktuelle Situation des Kirchenchores: Zur Kirchenmusik und zum Chorgesang ist zu berichten: Der Leiter des Amtes für Kirchenmusik in Hessen und Nassau, Kirchenmusikdirektor Philipp Reich, war vor dem Krieg Organist der Friedensgemeinde und hatte hier nach Zurücktreten von Herrn Doermer mit Grund gelegt für die Erneuerung der Kirchenmusik in Deutschland. In der von ihm geleiteten Hessischen Kantorei hatten Pfarrer Lehmann und seine Frau schon während ihrer Frankfurter Zeit mitgearbeitet. Da Herr Reich das Organistenamt seiner Kriegsverletzung wegen nicht mehr ausüben konnte, wurde er zunächst Singwart für Hessen, und später, wie schon erwähnt, Kirchenmusikdirektor an der Hochschule für Kirchenmusik in Frankfurt. Das Organisten-Amt in der Friedenskirche übernahm zusätzlich die Organistin der Johannisgemeinde, Fräulein Spreizer, die, wie schon erwähnt, bis 1954 ihre Gottesdienste in der Friedenskirche als Gast hielt. Nachdem diese Gastgemeinde wieder die eigene Kirche beziehen konnte, kamen für die Friedenskirche nacheinander die Organisten: Herr Knoch, Fräulein Kleinwächter, Fräulein Böss und Herr Helbig. Alle diese Organisten bemühten sich um den Kirchenchor. Es wurde schon erwähnt, dass 1954 auf einer Jugendfreizeit in Knaushof der Jugendsingkreis gegründet wurde, der stetig wuchs und Form annahm. Er hat zunächst stets im Jugendgottesdienst am Sonnabendabend gesungen, dann nach Absprache mit dem Organisten gelegentlich auch im Sonntagsgottesdienst, zusammen mit dem Kirchenchor, oder auch allein. Aber die Beziehung zwischen den beiden Chören war nicht immer gut. Die Organisten sahen im Singkreis eine Konkurrenz, dazu noch eine gut florierende, kam doch der Singkreis mit der Zeit auf 50-60 Teilnehmer, während der Kirchenchor sichtlich zurückging und noch mit Mühe 30 Mitglieder hatte. Herr Helbig, der letzte Organist, verlangte deshalb 1964, dass ihm der Singkreis überlassen wurde. Er beschwor damit eine kleine Katastrophe herauf. Der Singkreis zerbrach fast augenblicklich unter seiner Leitung. Der Kirchenchor vergrößerte sich keineswegs, sondern ging im Gegenteil unter der gespaltenen Lage weiter zurück. [...] Seither hat die Friedenskirche keinen fest angestellten Organisten mehr. Den Orgeldienst übernehmen von Fall zu Fall geeignete Kirchenmusiker, die in ausreichender Zahl zur Verfügung stehen. Auch Frau Dorothee Lehmann beteiligt sich am Orgeldienst. Ebenso hat Frau Lehmann in ganz kurzer Zeit wieder einen Chor geschaffen, der sich guten Zuspruchs erfreut und anspruchsvolle Gesänge zu allen kirchlichen Gelegenheiten zur Freude der Gemeinde bringt. [...] So hatten wir in der Friedenskirche das ganze Jahr 1971 über von Musik und Gesang erfüllte Gottesdienste, die hauptsächlichsten Werke seien hier genannt:
Zwischen Weihnachten und Neujahr jeden Abend 1 Stunde Krippensingen.
Teil 6: Aus dunkler Zeit
Mit Übernahme der Staatsgewalt durch die National-Sozialisten brachen ungeahnte Schwierigkeiten und viel Not und Gefahr über den Pfarrer [Matthäus] herein. Er war ein absoluter Gegner der Nazis und machte daraus keinen Hehl. Er war Vorsitzender vom Bruderrat der Bekennenden Kirche und schon in dieser Eigenschaft den Partei-Dienststellen bald anrüchig. Die Friedenskirche wurde neben der Stadt-Gemeinde mit Pfarrer Goethe und der Schlosskirche mit Pfarrer Amborn ein Zentrum der Bekennenden Kirche. Hier fanden die jungen Kandidaten der B. K. als Hilfsprediger ihre Wirkungsstätte, u. a. der jetzige Kirchenpräsident Prof. D. Sucker. Unglücklicherweise befand sich die Kreisleitung der NSDAP in unmittelbarer Nähe der Kirche, gerade gegenüber, im Haus Ecke Geleitsstr. / Körnerstr. Alles, was sich in der Kirche ereignete, wie die Gottesdienste besucht waren, wer an den Bruderrats-Sitzungen teilnahm, wurde von dieser Dienststelle der Partei überwacht und zur Kenntnis genommen. Oft waren auch Spitzel im Gottesdienst, um die Predigt zu überprüfen. Aber man wurde meist von guten Freunden verständigt, und wenn das nicht mehr möglich war, erkannte man die Fremdlinge fast immer. Und dann hielt der Pfarrer genau die vorbereitete Predigt, die für diesen Sonntag und eben auch für den Fall der Überprüfung niedergeschrieben war. Erschienen keine Aufpasser, so wusste der Pfarrer für seine Gemeinde noch mancherlei hinzuzufügen. Viel Aufregungen und kleinliche Schikanen musste Pfarrer Matthäus in dieser bösen Zeit erdulden. Aber er wurde nicht verhaftet. Die oft vertretene Ansicht, die NSDAP habe sich an ihn nicht herangetraut, weil er eine so bekannte und geschätzt Persönlichkeit in Offenbach war, erscheint nicht sehr wahrscheinlich, wenn man bedenkt, wer alles in Haft und in den KZs gewesen ist. Sie fürchteten sich vor niemand. Anscheinend hat Pfarrer Matthäus, der keine Kampfnatur war, mit viel Klugheit vermieden, Angriffspunkte zu geben. Das zeigen die modifizierten Predigten. Er ging im Bogen um Veranstaltungen und Aufmärsche der Partei herum und machte auch bei den üblichen Haustaufen am Sonntag-Nachmittag einen großen Umweg, wenn Derartiges zu vermuten war. Die Kirche war gut besucht, und die Gemeinde hielt zusammen. Sie bestand zum größten Teil aus eingeschriebenen, zahlenden Mitgliedern der B. K., sie hatte darüber Ausweise. Die Friedensgemeinde stand mit der Zahl dieser Mitglieder an der Spitze der Offenbacher Gemeinden. 1939-1945: Im August 1939 brach der 2. Weltkrieg aus und machte sich mit der Zeit mehr und mehr auf allen Gebieten des Lebens bemerkbar. Alle Menschen lebten in der Angst. Der Pfarrer hatte selbst 5 Söhne im Feld, 2 davon sind gefallen. Offenbach erlebte oft Feind-Einflüge und Bombenabwürfe. Die Friedenskirche blieb lange vor größerem Schaden bewahrt. Die Fenster und häufig auch die Türen wurden allerdings so oft herausgeschleudert, dass man mit der Reparatur nie ganz nachkam. Der erste große Bombentreffer kam kurz vor Weihnachten 1943, am 3. Adventssonntag, unmittelbar nach der Weihnachtsfeier für den Kinder-Gottesdienst. Der Kirchenraum war völlig zerstört, aber den Gemeindesaal konnte man so weit wieder herrichten, dass man dort Gottesdienst abhalten konnte. Nach späteren Angriffen stand dafür nur noch der Konfirmandensaal zur Verfügung, und auch der musste immer wieder aus den Trümmern hergerichtet werden. Die Verwüstungen waren oft sehr groß. Nach jedem Angriff fand sich unter allen Trümmern immer wieder unversehrt das von Rudolf Koch gestiftete und gestaltete Kruzifix. Es gab in damaliger Zeit vielen Not-Altären der Friedenskirche die Weihe. Das Kreuz blieb auch ferner erhalten und befindet sich heute in der Gebetsnische der Friedenskirche. Bei einem Großangriff am 18. März 1944 wurde das Pfarrhaus völlig zerstört. Pfarrer Matthäus war mit seiner Frau obdachlos und erhielt bei Verwandten in Erfurt Notunterkunft. Die Friedensgemeinde wurde mit der Johannis-Gemeinde zusammengelegt, deren Pfarrer Winkelmann die Gottesdienste im Konfirmandensaal der Friedenskirche weiterführte. Sie endeten fast regelmäßig in einem Fliegerangriff. Durch einen Volltreffer wurde das, was von der Friedenskirche noch übrig war, 1945 gegen Ende des Krieges völlig zerstört. Danach wurden Gottesdienste gehalten in den Räumen des Frauenvereins in der Bernhardstr., aber sie wurden nur noch wenig besucht. Jeder Gang über die Straße war jetzt mit Todesgefahr verbunden. 1945: Als der Waffenstillstand verkündet war, begann der treue Küster Hofferbert damit, ein wenig „aufzuräumen“. Mit Hilfe von Zigaretten und Bier, die das Hilfswerk zur Verfügung stellte, gelang es auch gelegentlich, fachkundige Helfer zu gewinnen. Der Konfirmandensaal wurde soweit hergerichtet, dass man dort wieder Gottesdienste halten konnte, und zwar weiterhin für beide Gemeinden. Auch die Jugend stellte sich wieder ein und versammelte sich in diesem Raum. Pfarrer Matthäus kam zurück, fand keine Unterkunft und war gezwungen, ausserhalb zu wohnen. Pfarrer Hoffmann, der jetzt in Rumpenheim ist, unterstützte ihn im Dienst an der Friedenskirche.
Teil 7: Ein paar Zahlen
Auch Statistiken können erzählen. Deshalb seien im folgenden ein paar interessante Zahlen aus den 60er, 70er und 80er Jahren aufgeführt: Am 9.4.1967 wurden 38 Mädchen und 24 Jungen durch Pfarrer Lehmann in der Friedenskirche konfirmiert. Am 28.4.1968 wurden in der Friedenskirche 20 Mädchen und 27 Jungen konfirmiert und empfingen am Tag darauf das Heilige Abendmahl. Im April 1969 wurden 17 Mädchen und 21 Jungen konfirmiert. Im Jahre 1973 wurden in der Friedenskirche durchgeführt: 34 Taufen 14 Trauungen 41 Bestattungen Am 8.4. 1973 wurden 41 Konfirmanden (12 Jungen und 29 Mädchen) eingesegnet.
Im Jahre 1979 fanden statt: Taufen: 28 Trauungen: 13 Bestattungen: 37 Die Konfirmandenzahl beträgt 51.
Im Jahre 1980 fanden statt: Taufen: 21 Trauungen: 7 Bestattungen: 48 Die Konfirmandenzahl beträgt 35.
Im Jahre 1981 fanden statt: Taufen: 28 Trauungen: 9 Bestattungen: 40 Die Konfirmandenzahl beträgt 29.
Im Jahre 1982 fanden statt: Taufen 16 Trauungen 5 Bestattungen 50 Die Konfirmandenzahl beträgt: 35
Die Entwicklung der Gemeindeglieder 1971 – 1982:
Inzwischen ist die Gemeindegliederzahl auf unter 2.000 gesunken ...
Teil 8: Wiederaufbau und andere Baumaßnahmen
1949 begann man mit dem Wiederaufbau der Friedenskirche. Es wurden Spendenlisten ausgelegt, und unter opferbereitem Einsatz der ganzen Gemeinde wurde zunächst das Pfarrhaus gebaut. 1952: In 2 Jahren war der Wiederaufbau der Friedenskirche vollzogen, und am 25.05.1952 erlebte die Gemeinde den glückhaften Tag, an dem die Kirche, neu erstanden, zum 2. Mal geweiht wurde. An Stelle einer Festrede hielten die drei Pfarrer Palmer, der zu diesem Tag eigens nach Offenbach gekommen war, Matthäus und Lehmann je eine kurze Predigt. Es kam darin die Freude über die neue Friedenskirche immer wieder zum Ausdruck: Die Freude sei so groß, weil wir den Frieden brauchen, der höher sei als alle Vernunft. Dieser Friede ist eine Kraft aus der Höhe, eine Macht Gottes, durch die wir bewahrt werden vor dem Argen, weil wir in diesem Frieden gewiss sind, dass wir Gott auf unserer Seite, für uns, nicht gegen uns haben. An anderer Stelle wurde gesagt, dass die Macht des Bösen so groß geworden sei, dass nur gläubige Gemeinden ihm noch Trotz bieten könnten. Das Geheimnis der Bosheit habe sich noch nie so nackt und brutal vor aller Welt enthüllt. Der Weg, der aus dieser apokalyptischen Zeit herausführe, sei, dass wir armen Menschen-Kinder wieder mit neuen Gaben und Kräften des Heiligen Geistes begnadet werden. Das Vermächtnis Rudolf Kochs war mit den Symbolen um das Altarkreuz zum Ausdruck gebracht. Pfarrer Matthäus sagte dazu: „An diesem Rudolf Koch ist es offenbar geworden, was das Wort Gottes und der Heilige Geist durch Wort und Sakrament auszurichten vermag an einem Menschen und an seinem Werk, wenn dieses Werk dazu dienen soll, wie bei ihm, den Namen Gottes zu verherrlichen.“ Der Kirchenraum zeigte viele Neuerungen und Verbesserungen gegenüber der alten Kirche. Die Meditationswand, die mit 7 Symbolen den Gnadenweg Gottes zeigt, wurde bereits erwähnt. Die Anordnung der Koch´schen Symbole war von Pfarrer Lehmann gegeben, die Durchführung lag in der Hand eines Schülers R. Koch´s, Prof. Post. Neugeschaffen wurde die Kyrie-Nische für das stille Gebet in allen gegenwärtigen Nöten. Das Gestühl war erhalten geblieben und wurde wieder aufgestellt. Der Neubau ist weitgehend aus Spenden der Gemeinde durchgeführt worden. Immer wieder musste Pfarrer Lehmann um Opfer bitten und konnte in einem solchen Schreiben im Januar 1952 darauf hinweisen, dass der Bau bisher ohne Schulden durchgeführt werden konnte. Die Gemeinde zeigte sich gern bereit, für ihre Kirche zu spenden. Pfarrer Lehmann erwähnt diese Bereitschaft zum wahren Opfer oft und erzählt in diesem Zusammenhang, dass einer der Ersten, der sein Scherflein brachte, ein kleiner Bub war, der eine Streichholzschachtel mit seinen Ersparnissen überreichte. Aus einer solchen Haltung heraus entstand die Friedenskirche neu. 1961 wurde nach 1½-jähr. Bauzeit der Neubau des Kindergartens in der Tulpenhofstraße fertiggestellt. Es ist ein gelungener Umbau nach Plänen von Architekt Reichard. Im oberen Stock finden sich drei weite lichte Räume, liebevoll kindertümlich ausgestattet. Unten ist ein großer Saal mit Schlafgelegenheiten für die Kleinen. Ein schöner Garten mit großem Sandkasten gehört dazu. Im ersten Stock sind 2 Einzimmerwohnungen für die Gemeindeschwester und eine Kindergärtnerin. Das Dachgeschoss wird z. Zt. noch bewohnt von Einwohnern, die beim Hauskauf übernommen wurden. Es soll später ausgebaut werden zu Wohnungen für noch eine Kindergärtnerin und für einen Hausmeister. Am 26. Juli 1961 wurde der neue Kindergarten eingeweiht. Pfarrer Lehmann hielt bei der eindrucksvollen Feier die Festansprache. Er übergab mit den Worten aus dem 127. Psalm „Wo der Herr nicht das Haus baut, arbeiten umsonst, die daran bauen“ den Kindergarten seiner Bestimmung. Nach anschließendem Gebet und dem Loblied von Paul Gerhardt „Ich singe dir mit Herz und Mund“ begrüßte Pfarrer Lehmann die Gäste und sprach seinen Dank aus für die großzügige Unterstützung, die die Gemeinde von allen Seiten bei diesem Bau erhalten hat. Aber auch hier ist zu bemerken, dass die Gemeinde selbst einen wesentlichen Spendenbeitrag geleistet hat. Kirchenvorsteher Dr. Raffé hielt anschließend ein beachtliches Grundsatzreferat über „die veränderte Stellung der Frau im heutigen Arbeitsprozess und die veränderte Lage des Kindes in der modernen Gesellschaft (einschließlich der Auswirkungen auf den Kindergarten)“. Am 20.8. wurde der Kindergarten mit einem Fest für die Kleinen in Betrieb genommen. Damit hat die Stadt Offenbach 8 Kindergärten des evang. Kirchen-Gemeinde-Verbandes, dazu einen weiteren in Bieber, und den des evang. Frauenvereins in der Andréstr.. 1981: Im Sommer hat Malermeister Lauth im Landheim die Fenster gestrichen. 1987: Beim Versetzen des Altars wird unter den Platten ein Blatt gefunden mit der Bleistiftaufschrift: „Erbaut im Jahr 1912 von Heinrich Weber und P. Kriechbaum“ Am 10. Februar ist Herr Hupka von der Fa. Schoenwand hier zu einem Gespräch über die Gestaltung der Beleuchtung des Kirchenraums. Es entstehen Ideen für einen Rundleuchter, mit dem der Gestühlblock in der Kirche ausgeleuchtet werden kann. 1991: Inzwischen sind Vorbereitungen zur Reife gediehen für einen Aufzug in der Friedenskirche. Nach dreijähriger Aktion haben wir soviel Spenden, daß der Einbau unternommen werden kann. Herr Prof. Dietrich Neumann, Erzhausen, hat die Planung und Bauleitung übernommen, wieder ohne Honorarforderung gegenüber der Gemeinde. Zuschüsse aus Kirchensteuermitteln sind nicht zu erwarten. Der Aufzug ist dringend notwendig, weil es immer mehr Gemeindeglieder gibt, denen die hohe Treppe in der Kirche mehr als beschwerlich ist.
1992: Im Februar wird mit dem Einbau des Aufzugs in der Friedenskirche begonnen.
Teil 9: Splitter 1979: Am 13.10. spielte unsere tapfere Fußballmannschaft ohne Training gegen kampfgewohnte Mannschaften und errang den ehrenvollen 4. Platz.. Am 13.12. riß der Sturm einen Teil der Südseite des Kirchendachs auf.
1981: Am 2.9. erhielten wir einen neuen Büroschrank. Am 16.9. erfolgte die Kontrolle des Kindergartens durch das Landesjugendamt Wiesbaden, die 1. Kontrolle seit Bestehen des Kindergartens.
1982: Auf Bitten des ehemaligen Jugendlichen unserer Gemeinde, Pfarrer Eckart Seifert, beteiligte sich die Gemeinde an seiner Polenhilfe mit dem Sammelbetrag von 2 488,60 DM.
1983: Die in den Augen der anderen „reiche“ Friedens-kirchengemeinde war und ist keine „reiche“ Gemeinde, sondern eine Gemeinde, die in der Friedenskirche ihre „Heimat“ hat und die jeder Bitte von Herrn Pfarrer Lehmann für irgend welche Aufgaben entsprochen hat. Dass die Friedenskirchengemeinde ihre Kirche, den Kindergarten, die Orgel, Glocken usw. alles allein finanziert hat, interessiert heute von der „Obrigkeit“ keinen mehr. Für mich ist es sehr betrüblich zu erfahren, daß die Kirche, die in der NS-Zeit und während des Krieges um ihre Existenz kämpfen mußte und die nach dem Zusammenbruch des „1000 jährigen Reiches“ sehr arm gewesen ist, heute meint, daß die Gemeindearbeit nach dem vorhandenen Geld betrieben und beurteilt werden müßte. Mögen die Verantwortlichen einmal entdecken, daß es in der damals armen Kirche in jeder Gemeinde Küster, Gemeindehelferinnen, Diakonissen und Organisten gegeben hat, und in jeder Gemeinde gab es Jungscharen und Jugendkreise, die zu Freizeiten fuhren, und Kirchenmusik-abende, die gut besucht waren. Für uns galt es damals als selbstverständlich, daß die Mitarbeiter und Glieder der Gemeinde gemeinsam „im Dienst“ der Kirche Jesu Christi stehen, und daß die Gelder anvertrautes Gut zum Besten der Gemeinde und ihrer Diakonischen Arbeit waren. (Lieselotte Kreß)
1984: Am 15. März mache ich [Pfarrer Arras] einen Antrittsbesuch bei dem Oberbürgermeister der Stadt Offenbach, Herrn Suermann. Offenbar besteht mehr Interesse bei der Stadt an guten Kontakten mit den Kirchen als umgekehrt. Aber das vermag ich im Augenblick noch nicht zu beurteilen. Jedenfalls war dieser Kontakt recht erfreulich.
Im November erhält
die Gemeinde ein neues Dienstsiegel. Frl. Sabine Tomaszewski,
Graphikerin, entwirft das Siegel. Sein Inhalt greif
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